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gustumasEs geht ums Verkosten

Gustumado

Punkte sind Müll

Warum eine Zahl nicht verrät, ob etwas schmeckt – und wozu es passt

Wer kennt sie nicht, die 89 Punkte, die Riesling XY bekommen hat – einen mehr als der Nachbar mit seinen 88. Ist der Wein jetzt besser? Und viel wichtiger: Schmeckt er mir besser?

Passt er zum Kaminfeuer, zum Bœuf bourguignon, zu Spaghetti mit Tomatensoße oder zu Brahms’ Klavierkonzert? Putscht er mich auf oder beruhigt er mich? Kann ich viel davon trinken, oder bekomme ich gleich Sodbrennen?

Nichts davon verraten mir die Punkte. Selbst wenn ich nach einer langen Reihe von Fehlkäufen einen Verkoster gefunden habe, dessen Urteile sich häufiger mit meinen decken, weiß ich immer noch nicht, was mir seine Punkte eigentlich sagen wollen.

Was Punkte tatsächlich aussagen

Dass sich Punktwertungen trotzdem als internationaler Standard durchgesetzt haben, mag auf den ersten Blick verwundern. Meines Erachtens liegt es daran, dass es für die Bewertung in Geld keine Alternative gibt. Denn eines sagen Punkte dann doch: Verkoster X ist der Meinung, Wein Y dürfe zwischen a und b Euro kosten.

Über den Geschmack, den Charakter und darüber, wozu er passt, sagen sie nichts.

Was stattdessen hilft

Wie finde ich den Rest heraus? Diese Frage beschäftigt mich, seit ich mit Frau W. und Herrn N. zum ersten Mal in Jürgen Hammers Weinseminar gegangen bin. Antworten gibt es viele, durchgesetzt hat sich keine.

Am überzeugendsten finde ich bis heute den direkten Vergleich. Nur im direkten Vergleich lassen sich die Unterschiede zwischen zwei Weinen herausarbeiten. Und nur aus den gesammelten Unterschieden lässt sich einigermaßen vorhersagen, ob ein Wein besser zu einer bestimmten Situation oder einem bestimmten Essen passt als ein anderer. Wie das geht, steht in Vergleichen statt erinnern.

Das gilt nicht nur für Wein. Deshalb vergibt auch Gustumejo, die Verkostungs-App von Gustumas, keine Punkte und stellt keine Rangliste auf. Die Auswertung zeigt, was die Runde wahrgenommen hat – wie bitter, wie scharf, welche Noten –, und nicht, wer gewonnen hat.

Dieser Text ist eine Überarbeitung des Archivbeitrags: