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gustumasEs geht ums Verkosten

Gustumado

„Niemand riecht so gut wie Du“

Eine Buchbesprechung – und warum sie für den Vergleich spricht

So heißt ein im Piper Verlag erschienenes Buch von Hanns Hatt und Regine Dee, Untertitel: „Die geheimen Botschaften der Düfte“. Felix Bodmann vom Blog Schnutentunker hat es mir empfohlen, damit ich mein Datenbankprojekt aufgebe und stattdessen … Tja.

Ich gehe mal stark davon aus, dass Felix nicht die Vergleichsdatenbank meinte, sondern die Datenbank der gemessenen Konzentrationen geruchsaktiver Stoffe. Die war eh nur ein Projektvorschlag, und die Reaktionen darauf waren gelinde gesagt dürftig. Na ja, sie tendierten gegen null. Ach, was soll’s: Keiner hat Interesse angemeldet! Also gibt es diese Datenbank auch nicht.

Wenn Felix doch die Vergleichsdatenbank meinte, dann hat das Buch das Gegenteil bewirkt. Warum, sage ich am Schluss. Erst einmal zum Buch.

Was will das Buch?

Das Buch will wissenschaftliche Erkenntnisse unterhaltsam und nachvollziehbar an interessierte Laien vermitteln.

Wie macht es das?

Die Untersuchungen und Forschungsergebnisse werden mit vielen Beispielen garniert und auf alltägliche Situationen bezogen. Dadurch wirkt es nie trocken.

Erreicht es sein Ziel?

Ja, durchaus. Es ist tatsächlich unterhaltsam und interessant und eignet sich prima dazu, für die nächste Party ein paar „Wusstest du schon, dass …“ vorzubereiten. Zum Beispiel: „Wusstest du schon, dass Stripperinnen während des Eisprungs fast doppelt so viel Trinkgeld verdienen wie während ihrer Periode?“ (Die Studie dazu bekam 2008 übrigens den Ig-Nobelpreis.)

Was war am interessantesten?

Das Kapitel über Hormone als Herzensbrecher. Hat einiges in meiner Vergangenheit verständlicher gemacht. Und die Erklärung nebst belegendem Bild für den Zickzackweg eines Hundes auf Fasanenjagd: Würde der Hund der Spur geradeaus folgen, wäre seine Nase nach kurzer Zeit für den Duft blockiert. Das kenne ich sehr gut von Weinverkostungen. Also: immer wieder Pausen machen!

Was hat enttäuscht?

Das Kapitel über Wein. Lediglich acht Seiten fassen den Stand mehr oder weniger ausreichend zusammen, aber außer ein bisschen Belustigung über Genusstrinker, die zu Duftakrobaten werden, findet keine wirkliche Beschäftigung mit dem Thema statt.

Fazit

Ein Buch, das sich gut lesen lässt und zum Nachdenken anregt – und für jeden, der sich mit Düften, Aromen, Kochen und allem drumherum beschäftigt, ein absolutes Muss! Das gilt auch für jeden, der verstehen will, warum man manche Menschen nicht mehr riechen kann.

Das Buch ist in jedem Buchladen erhältlich. Einfach reingehen, bestellen, und nach ein paar Tagen kann man es abholen. So kommt man wenigstens noch mal vor die Tür. Wer das auf keinen Fall will, kann es auch im Internet bestellen, entweder über Zwischenhändler oder direkt beim Verlag.

Und warum spricht das Buch für den Vergleich?

Ganz einfach. Auch in diesem Buch steht, dass jeder Mensch unterschiedlich riecht – sowohl an sich als auch mit der Nase. Und wenn wir jemals wirklich über Düfte und Aromen im Wein reden wollen, dann kann das nur über den Vergleich funktionieren.

Die Autoren bringen auch das Beispiel dreier Sommeliers, die gemeinsam einen 1966er Château Haut-Brion verkosten. Der erste sagt „Steinobst und Rosinen, begleitet von Zedernholztönen sowie unterschiedlichen Gewürzaromen“, sein Nachbar „Pflaume, flankiert von dezenten Röstaromen und leicht animalischen Tönen“, während der dritte auch noch Pfeifentabak findet. Damit die drei sich nicht in die Haare kriegen, einigen sie sich auf die Formulierung: „wirklich großer Wein, harmonisch in seiner Komplexität und elegant in der Vielfalt seiner Aromen“.

Was soll das? Was will man mit dieser Vereinfachung erreichen? Den Satz kann ich mir sehr gut in der Werbung für einen Gallo-Wein vorstellen. Das ist eine reine Werbeaussage, die mit nichts verglichen werden kann.

Warum akzeptieren sie nicht ihre unterschiedliche Wahrnehmung und sagen: Der Wein kann so und so riechen? Oder noch viel besser: Der Wein riecht stärker nach Pflaume als der Latour von ’66. Und wenn ich den Latour kenne, dann weiß ich auch ungefähr, was mit „Pflaume“ und mit „Steinobst und Rosinen“ gemeint ist.

Dabei ist die unterschiedliche Wahrnehmung der Aromen kein Ausrutscher, sondern die Regel. Während der eine Pfirsich riecht, mag der andere Banane und Ananas finden. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, ob das auch dauerhaft so ist und ob die unterschiedliche Wahrnehmung einer vorhersehbaren, aus dem Geschmacksprofil ableitbaren Regel folgt.

Auch deshalb fragt Gustumejo nicht nach dem einen richtigen Aroma, sondern sammelt, was jede und jeder in der Runde wahrnimmt, und zeigt in der Auswertung, wie häufig welche Note genannt wurde.

Dieser Text ist eine Überarbeitung des Archivbeitrags: