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gustumasEs geht ums Verkosten

Gustumado

Aromen beschreiben – oder vergleichen?

Schlüsselaromen geben eine Richtung. Für die Auswahl braucht es den Vergleich.

Dieser Text geht auf einen Austausch mit Felix Bodmann vom Blog Schnutentunker zurück. Es ging um die Aromen in Weinbeschreibungen und darum, was der Weintrinker damit anfangen kann.

Schlüsselaromen

In seinem Beitrag zum Jahresbeginn 2013 schreibt Felix: „doch gerade der Riesling ist zum Beispiel ein Wein, den man gut über ein paar Schlüssel-Aromen klassifizieren kann“. Das stimmt. Wie Felix schreibt, kann ich Banane riechen und weiß: Der Riesling ist jung. Daraus kann ich auch direkt einen Nutzen ziehen – entweder indem ich sage, so jungen Wein trinke ich nicht, ich lasse die anderen Flaschen noch eine Weile liegen, oder genau andersherum. Das geht auch als Leser einer Verkostungsnotiz.

Eine andere Möglichkeit, sinnvoll mit Aromen zu arbeiten, sei es, den Riesling über die Aromen einer sinnlichen Kategorie zuzuordnen: mollig oder streng. Reifer Pfirsich oder Dörraprikose stehen für den molligen, Aloe Vera und Aprikose für den blumig-strengen Wein.

Damit kann ich sicherlich eine Tendenz für den Wein festlegen, und ich kann sogar Weine unterscheiden, sofern sie gegensätzliche Tendenzen aufweisen. Aber ich kann nicht quantifizieren.

Was fehlt: das Maß

Und genau um diese Quantifizierung geht es beim Vergleich. Ich möchte wissen, welcher Wein besser zu einer bestimmten Situation passt – zum Beispiel aufs Sofa nach einem langen Winterspaziergang.

Wenn ich mit dem obigen Wissen nach besagtem Spaziergang einen molligen Wein möchte und bei Verkostungsnotizen.net nach Rieslingen mit Pfirsicharoma suche, bekomme ich 46 Einträge (Stand 2. Januar 2013). Und ich weiß auch, dass ich ein starkes Pfirsicharoma bevorzuge. Welchen von den 46 Weinen soll ich dann nehmen? Ich kann mir jede einzelne Notiz durchlesen und bin eingeschlafen, bevor ich den Wein gefunden habe.

Alles eine Frage der Perspektive

Aber vielleicht haben wir hier gar kein Dilemma. Vielleicht liegt es nur an der unterschiedlichen Perspektive.

Wenn ich mich mit dem Wein in eine hermetische Blase begebe und sage: So, jetzt schauen wir mal, wer du bist, was du kannst und wie du auf mich wirkst – dann bekomme ich eine mehr oder weniger genaue Beschreibung des Weins, inklusive möglicher Kategorien. Und ein anderer kann die Beschreibung lesen und stellt sich hoffentlich etwas Ähnliches vor.

Wenn ich aber vom Anwendungsfall komme, also einen Wein für Situation xy suche, dann ist es unglaublich mühsam und mangels Vergleichbarkeit meistens gar nicht möglich, über Einzelverkostungen den passenden Wein zu finden.

Da stellt sich natürlich die Frage: Wie werden Verkostungsnotizen eigentlich gelesen? Wer trifft anhand einer Notiz in einem Weinblog eine Kaufentscheidung?

Aprikose-47 schmeckt heut nicht

Felix hat darauf mit einem Kommentar geantwortet, der die Sache auf den Punkt bringt:

Also selbst wenn Aprikose quantifizierbar wäre und Du am Samstag nach dem Spaziergang einen Aprikose-47 Riesling total toll fandest, kann das nächsten Samstag schon ganz anders sein. Außerdem mag es sein, dass Aprikose-47 gar nicht für Dein Glücksgefühl verantwortlich war, sondern dieser kleine Hauch Erdbeere (nur Stärke 7). Es war aber Deine letzte Flasche. Was ist dann nächsten Samstag der richtige Wein: Aprikose-49 mit Erdbeere-6 oder lieber Grapefruit-26 mit Erdbeere-7? Ich glaube, da kommt man auf keinen grünen Zweig.

Felix hat recht. Der Algorithmus zur Berechnung meiner Vorlieben darf sich natürlich nicht auf einzelne Ereignisse oder Kriterienwerte verlassen. Er sollte in der Lage sein, die über einen gewissen Zeitraum gesammelten Informationen auszuwerten und die größtmögliche Ähnlichkeit zum ausgetrunkenen Wein zu finden.

In seinem Beispiel wäre das sowohl der eine als auch der andere – es sei denn, ich hätte vorher grapefruitbetonte Weine als frisch und frisch als ungeeignet für nach dem Winterspaziergang gekennzeichnet. Ich will aber gar nicht an dem Beispiel weiterargumentieren. Ich möchte nur zeigen, dass sich immer nützliche Schlüsse ziehen lassen, sofern ich quantifizierbare und vergleichbare Daten habe.

Das Beispiel geht an der eigentlichen Frage vorbei. Wenn ich mich zwischen zwei Weinen entscheiden soll, welche Informationen brauche ich dann? Muss ich wissen, wie Verkoster 1 Wein 1 und Verkoster 2 Wein 2 fand? Oder muss ich wissen, wie Wein 1 bei Verkoster 1 im Vergleich mit den Weinen 3, 4 und 5 abschnitt – und Wein 2 bei Verkoster 2 im Vergleich mit denselben Weinen 3, 4 und 5?

Das funktioniert ganz sicher nicht mit kleinen Datenmengen. Aber anders als bei Einzelverkostungen, bei denen mehr Daten auch mehr Streuung und damit mehr Unschärfe bedeuten, bringt beim Vergleich eine größere Datenmenge eine größere Genauigkeit.

Die starre Form

Im unterhaltsamen und gut geschriebenen Blog blindtastingclub.net erschien im Dezember 2012 ein Beitrag über eine Riesling-Blindprobe unter dem Titel „Tatort und Blutwurst“. Die Verkostungsnotizen darin sind wunderbar kurz, prägnant und auch einzeln gut lesbar. Abgesehen davon, dass ich total neidisch war, nicht dabei gewesen zu sein, will ich auch nichts Schlechtes über den Beitrag sagen. Ich möchte ihn nur nutzen, um das Dilemma der starren Form, das Felix angesprochen hat, noch ein wenig zu erweitern.

Als Neuling bräuchte ich für den Blog und die Verkostungsnotizen ein Glossar. Und selbst mit Glossar könnte ich die Unterschiede zwischen den vorgestellten Weinen nicht erkennen. Woran liegt das?

Ich vermute, dass es nicht Ziel des Beitrags war, die Weine zu bewerten und untereinander zu vergleichen. Deshalb findet sich außer der „Spontinase“ und dem „trinkigen“ Wein kein Kriterium in mehr als einer Notiz. Das macht es mir aber unmöglich, die Unterschiede zwischen den Weinen zu erkennen. Am Ende steht zwar, dass der Wein von Kühling-Gillot gewonnen hat. Aber warum, steht nicht da, und mangels vergleichbarer Notizen ist es auch nicht nachvollziehbar.

Anders wäre es, wenn die Unterschiede zwischen den Weinen dargestellt würden. Dann fehlte mir zwar immer noch der Bezug zu allen anderen Weinen der Welt. Aber wenn ich einen der Weine kenne und über diesen wiederum andere, könnte ich diesen Bezug herstellen.

Genau darauf baut Gustumejo auf: Alle in einer Runde bewerten jedes Öl mit demselben festen Vokabular und denselben Skalen. So werden die Eindrücke vergleichbar – untereinander und zwischen den Ölen.

Dieser Text ist eine Überarbeitung der Archivbeiträge: