Heut back ich mir 'nen Apostelkuchen

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Zwischendurch dachte ich schon, ich werde Champagner nie verstehen, aber plötzlich umwehte meine Nase ein Duft von Lindenblüten und Honig und ich wußte. Das war in einer der letzten Sessions auf dem Vinocamp 2013.

Aber lass uns doch von vorne beginnen. Bereits zum dritten Mal haben die beiden Organisatoren Dirk Würtz und Thomas Lippert die Weinfachwelt bestehend aus Winzern, Händlern, Journalisten, Vermarktern und Bloggern in die Universität Geisenheim eingeladen, an einem Wochenende über alles rund um Wein zu diskutieren und sich auszutauschen.

Organisiert war das Ganze als Barcamp und die Nicht-Informatiker werden diesen Begriff sicherlich anfänglich missverstehen. Das hat nichts mit einer gastronomischen Einrichtung zu tun wie das Präfix vermuten lassen würde und wir haben auch nicht auf Holzbalken sitzen müssen oder mussten die ganze Zeit Schokoriegel futtern.

Nein, Hintergrund ist der: in der Programmierung wird "Bar" (gerne auch mit "Foo") als Platzhalter in Beispiel-Quellcode verwendet. Der Begriff Barcamp entstand mit der Intention eine Veranstaltung auszurichten ohne vorher zu wissen, was dabei passiert.

Ganz so zufällig wollten die Organisatoren nicht sein und ersetzten erstmal das Bar in Barcamp durch das Vino zum Vinocamp. Damit stand schon mal das Grundthema fest. Jetzt findet das Camp, wie schon gesagt, zum dritten Mal statt und damit sich nichts wiederholt muss auch ein Motto her. In diesem Jahr waren das die "Perlen". Und damit auch alle zumindest einmal was davon mitbekommen gibt es dazu eine Lehrweinprobe von 2 Stunden, die sich mit dem Motto beschäftigt. Die Anfangs- und die Abschlusssession sind auch vorgegeben.

Als Bars bleiben dann noch 40 Sessions, die parallel in 4 Räumen stattfinden und die von den Teilnehmern in der Anfangssession mit Themen bestückt und dann von allen mit Inhalten gefüllt werden. Manche Sessions sind eher Vorträge, andere Diskussionen, Frage-und-Antwort Sitzungen oder gemeinsame Verkostungen. Ein paar Bars blieben übrig und wurden am Ende von den tollen, superfleißigen Helfern wieder eingesammelt, um sie nächstes Jahr wieder anzubieten.

Und hier ein Kurzabriss über einige Veranstaltungen und Sessions, die ich besucht habe. Im nächsten Artikel werde ich dann was über die Session sagen, die Hermann Höhle und ich angeregt und moderiert haben.

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Weinführung im Wein- und Sektgut Barth

Highlights waren die Rüttelvorführung, die hier im Sektgut ziemlich laut ist, der 11311, ein Rieslingsekt aus Anlass der Geburt der beiden Enkelkinder von Norbert Barth, dessen Töchter beide am selben Tag jeweils ihre Töchter geboren haben und die Vergleichsprobe von Erstem Gewächs Hattenheim Hassel Stillwein und dem Sekt aus dem gleichen Grundwein (Primus). Dabei wurde auch die Philosophie des Weingutes deutlich: Sekt ist eine Steigerung des Weins. Vielleicht wird mit dem neuen Logo auch noch der Name in Sekt- und Weingut Barth geändert?

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Gereifte Exoten aus Deutschland

Eine Session, bei der wir uns nur mit diesen drei Weinen beschäftigt haben. Interessant hier, der Cabernet Mythos 2003 hatte nach einer halben Stunde im Glas ein wunderbar schokoladige und zedernholzartige Nase, aber leider ist er im Mund schon sehr flach. Die Beerenauslese trocken (17%) kann getrost als engagierter Versuch gesehen werde, den Weltrekord im Alkoholgehalt bei ungespriteten Weine zu brechen, Spass macht das aber nicht. Am besten hat mir der 1993er Dornfelder gefallen, der fruchtig in der Nase, im Mund noch völlig stabil mit leichten, gut eingebundenen Tanninen da steht.

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Champagner Vergleichsprobe

Boris Maskow macht das toll. Man spürt förmlich wie der Chevalier de l’Ordre des Coteaux de Champagne Champagner und die Champagner lebt. Dazu hoch informativ und unterhaltsam. Wer also mal was über Champagner lernen will, Boris ist der Mann.

Was bei mir hängenbleibt? Höherwertiger Champagner ist etwas vollkommen anderes als die Standard-Cuvées von Veuve Cliquot, Pommery und wie sie alle heißen, von den Supermarktvarianten ganz zu schweigen.

Und: höherwertiger Champagner ist erst einmal sehr unzugänglich. Bis die Nase den Apostelkuchenton (Brioche) so sehr verinnerlicht hat, dass die dahinterliegenden feinen Aromen durchdringen, bedarf es vieler intensiv beschnüffelter Gläser.

Bei mir war das am zweiten Tag bei der, wiederum von Boris Maskow geleiteten, Lehrweinprobe Schaumwein beim Nicolas Feuillatte Blanc de Blanc. Zuerst nur Brioche, aber dann, dann wurde mir mit einem mal deutlich vorgeführt, warum beim Champagner auch das Aroma Spass machen kann (siehe oben).

Was war noch? Eine tolle Party am Samstagabend, der Schnutentunker und Rachel Wirth gewinnen den social media award eine leckere soziale Weinprobe über Weine aus hohen Lagen, wobei ich hier den direkten Vergleich (gleicher Winzer, wenn möglich gleiche Traube, hohe und tiefe Lage) interessiert hätte. Ähnlich wie ich es hier schon mal beschrieben habe (Abschnitt Lagenweine).

Vielen, Vielen Dank an die Organisatoren, Sponsoren und fleißigen Helfer und an alle Teilnehmer, die mir so ein wundervolles, anregendes Wochenende beschert haben.

Und für alle, die wissen wollen, wie Beispiel-Quellcode aussieht. Hier in der Smalltalk-Variante einer BarCamp-Definition:

Organizer>>createNewCamp withPrefix:bar andSlogan:foo forYear:baz

camp new
      prefix:bar;
      slogan:foo;
      year:baz.

camp printAppeal.

Camp>>printAppeal
print 'Kommt alle zum ', prefix, 'Camp ', year, ' unter dem Motto: ', slogan, '!'.

Aufruf dann mit
Organizer createNewCamp
       withPrefix:'Vino'
       andSlogan 'Speis & Trank'
       forYear:'2014'
       printAppeal

Und hier gibt's noch eine Liste mit anderen Blogbeiträgen zum Vinocamp 2013:

Dirk Würtz

Schnutentunker

La Gazetta del Vino

Weinbilly

Vinalia

Weingut Steffens-Keß

Super-Shoppen-Shopper

Vinoblog

Budis Foodblog

Bordeaux CIVB

Presse:

Wiesbadener Kurier

WeinPlus

Sponsoren

Bouvet-Ladubay

© Max Bareis 2013