Wursten und Vergleichen

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Gestern nachmittag gings los. Nachdem meine ersten Wurst- und Brätproduktionsversuche doch eher zähe und knorplige Angelegenheiten waren, habe ich mir diesmal Verstärkung aus Köln geholt. Der Herr Norbert hatte auch gleich ein tolles Rezept rausgesucht, welches genau für die Unzulänglichkeiten der ersten Probe Lösungen parat hält. Beim letzten Mal habe ich das Fleisch eher gequetscht als gewolft. Aber diesmal ging das wolfen mit den angefrorenen länglichen Streifen fast von alleine. Und beim Wurst befüllen hab ich nicht mehr alles auf einmal reingestopft, sondern Kügelchen für Kügelchen die Wurstmasse in die Schnecke fallen lassen. Dann wird alles transportiert und es kommt keine Luft in die Würste. Und das Ergebnis kann sich tatsächlich sehen und schmecken lassen. Da werde ich den Wolfaufsatz wohl doch nicht verkaufen.

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Während die Wurstmasse reifte, haben wir uns an den Vergleich der drei Wonnegauer Weine gemacht. Zwei davon sind schon von der ersten Etappe der Tour de Wonnegau bekannt, neu hinzugekommen ist der 2010er Dreissigacker Aulerde von der schönen Westhofener Lage die in dem Jahr zum ersten Mal geerntet und auf Flaschen gezogen wurde.

Als erstes stand der Vergleich zwischen dem Weißburgunder von Wittmann und der Aulerde vom Dreißigacker auf dem Programm. Interessanterweise haben die Verkoster (Norbert, Sini und ich) diesmal zum größten Teil ein unterschiedliches Vokabular benutzt. Deshalb gibt es nur wenige Kriterien die identisch sind.

Wittmann Weißburgunder 2011 vs. Dreissigacker Aulerde 2010

Der Wittmann ist fruchtiger(2), frischer(2), pfirsichiger, salziger, bitterer während der Dreissigacker als gelber, dunkler, wärmer, mit reiferer Frucht, honigwürziger, mit kräftigerer Säure, exktraktreicher, körperreicher, fruchtsüsser und bananiger empfunden wurde.

Dreissigacker Aulerde 2010 vs. Keller Riesling 2011

Der Dreissigacker wurde bei diesem Vergleich als klarer, dunkler, benzoliger, mit reiferer Frucht, goldener, harziger, herber, lieblicher, wärmer, bananiger minerlischer, extraktreicher, alkoholischer, fruchtsüsser und mit kräftigerer Säure empfunden während der Keller Riesling als grüner, fruchtiger und pfirsichiger empfunden wurde.

Keller Riesling 2011 vs. Wittmann Weißburgunder 2011

Beim dritten Vergleich wurde der Keller Riesling gegenüber dem Weißburgunder als heller, säuerlicher, spitzer (Säure), grüner, blumiger, adstringierender, und pfirsichiger geschmeckt während der Weißburgunder als klarer, mit größeren Reflexen, fruchtbetonter, harziger, runder, säurebetonter, gelbfruchtiger, stachelbeeriger, salziger, moussierender und mit längerem Abgang bezeichnet wurde.

Bei der letzten Etappe wurden die beiden noch so verglichen:

Dem Keller wurde zugesagt er sei saurer(4), fruchtiger(4), prickelnder(1), frischer(1), mineralischer(1), adstringierender(1) und feiner(1). Der Wittmann konnte hingegen in den Kategorien erdiger(2), blumiger(1), vollmundiger(1), weicher(1) und süßer(1) punkten.

Interessant ist hier, dass sich langsam Kernmerkmale ausbilden, während andere Merkmale widersprüchlich betrachtet werden:

Keller: saurer: 5 (+2/-1), fruchtiger: 4 (+1/-1),  adstringierend: 2 (+1), prickelnder 0 (-1)

Wittmann: süßer: 2 (+1),  blumiger: 0 (-1)

Dann kam erstmal die gebratene Wurst mit selbstgemachten, vom Töchterchen geschnittenen Pommes, auf den Tisch. Einig waren wir uns darin welcher Wein zu welcher Situation am Besten passt. Der Keller wurde als Aperitif-/Sommerwein bezeichnet, während der Wittmann am Besten zum Essen passte. Der Dreissigacker wiederum war so kuschelig, dass er am ehesten auf dem Sofa bei Buch oder Fernsehen zu trinken ist.

Nach dem Essen ging es mit einem schon lange geplanten Vergleich weiter. Den Chateau Vannières habe ich mal von Sini bekommen und wir hatten vereinbart, dass wir den gemeinsam trinken. Und da wir bei der ersten Flasche (vor 4 Jahren) den Wein eher nichtssagend fanden, habe ich ihm diesmal einen kräftigen, würzigen Monastrell (das ist die gleiche Traube wie die im Bandol hauptsächlich verwendete Mourvèdre) aus Spanien gegenübergestellt. Die sind preislich und altersmäßig nicht in einer Liga, der Vergleich ist trotzdem sehr interessant, insbesondere, wenn man den einen für überteuert hält. Diesmal haben auch Rosa und Wendy mitgemacht:

Chateau Vannières 2002 vs. Al Muvedre 2011

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Der Al Muvedre wurde als blauer/violetter(3), leichter, fruchtiger(3), trockener, adstringierender(2), muffiger, grasiger, brombeeriger, kaffeischer, karamellischer, pieksig riechender, zähne stumpfmachender bezeichnet. Dahingegen wird dem Chateau Vannières zugesagt er sei brauner, habe einen größeren Wasserrand, mehr Schlieren, er sei tanniniger, muffiger, französischer, holziger, ledriger, bitterer, lilienduftiger, kirschiger(2), oxidierter, süss-sauer-ausgewogener, nutellaiger. 

Fazit:

Insgesamt empfinde ich die vergleichende Verkostung als wesentlich entspannter und unterhaltsamer als die Einzelverkostung. In wie weit sie am Ende tatsächlich informativer ist, stellt sich vermutlich erst heraus, wenn die Datenbank stärker befüllt ist. Es bleibt spannend.

© Max Bareis 2013