Wine Food Pairing - Ein Experiment

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Manchmal habe ich das Gefühl, ich vergesse am ehesten die Dinge, an die mich zu erinnern ich mir fest vorgenommen und an die ich kurz zuvor noch ausgiebig gedacht habe. Beim Geburtstagsfest für meine Tochter war das genauso. Ich hatte mir fest vorgenommen die Großpackung Quintillos vom iberischen Schwein mitzunehmen, weil, alleine schaffen wir die nie.

Vergessen hab ich sie, obwohl ich noch 10 Minuten vorher den Kühlschrank aufgemacht habe und ich sie angeblickt habe und mir gesagt habe, "denk dran die mitzunehmen". Als ich dann vor dem Grill stand und meine Tasche mit dem Grillfleisch und den Gemüsen ausgepackt habe, ist es mir wieder eingefallen.

Am nächsten Tag, ich hatte die Qunitillos immer noch im Kühlschrank, stiess ich zufällig auf ein Rezept und war erst einmal verwundert. Chorizo und Garnelen? Das passt doch gar nicht. Wie sollen denn die Garnelen neben der intensiven Würze der Pimientós de la Vera bestehen? Smámunir schrieb selbst, dass sie verwundert war, wie gut das zusammenpassen würde, also dacht ich, soviel Wurst im Haus, da kann ein Versuch nicht wehtun.

Aber was trinkt man dazu? Weiss und frisch also Riesling, Silvaner & Co für die Garnelen? Oder Rot und würzig für Chorizo, z.B. Mouvèdre, Syrah? Oder aber vielleicht auch süss für die Schärfe, einen restsüssen Kabinett oder ne Spätlese? Wie wird wohl die Gesamtkomposition wirken? Wird das wie gebratener oder gegrillter kräftiger Fisch schmecken, der nach etwas cremigen wie Chardonnay oder im Holzfass auf der Hefe gelagertem Weiß-/Grauburgunder verlangt?

Ich kann es mir einfach nur schwer ausmalen. Das Rezept sieht auch noch Knoblauch vor, gepresst und in nicht kleinen Mengen, das lässt vermuten, dass es insgesamt ein sehr intensives Essen wird, also Leichtgewichte eher keine Chance haben.

Was tun, sprach Zeus und wie immer in solchen Situationen mach ich einen Versuch, um was draus zu lernen. Erst einmal frage ich unter den Facebook-Freunden nach Empfehlungen für diese Kombination. Erwartungsgemäß bekomme ich recht unterschiedliche Vorschläge, die von Riesling Kabinett über Vino de Aguja bis Beaujolais recht viel abdecken. Süsse wird von fast allen empfohlen (Eine Auflistung der Empfehlungen gibt's am Ende des Beitrags). 

Ich gehe also in meinen Keller und bin wieder einmal genervt, weil ich viel zu wenig Weine habe und da auch noch wenig Auswahl. Alles voller Wonnegau und spanischem Roten. Auf der anderen Seite schadet es ja nicht, wenn ich ein Gebiet erst einmal komplett durcharbeite also soll es so sein.

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Besetzung:

Feiner Schlanker: Seehof Riesling 2011
Cremeschnitte: Weinreich Chardonnay & Weißburgunder 2012
Restsüsser Riesling: Keller Riesling RR 2011
Süsse Blume: Göhring Albalonga Auslese 2009
Leichter Roter: Weinreich Schwarzriesling 2010
Würziges Holz: Ambata Mencia 2011

Ich hab die Menge der Chorizo verdoppelt, was Frau R. sofort bemängelte. Dadurch wurde es einfach zu kräftig um viel davon zu essen. Naja, fand ich jetzt nicht so schlimm, es kann trotzdem gut sein, dass der Versuch mit Originalrezept ein wenig anders ausgefallen wäre.

Wir haben jeden Wein zu einem Happen gekostet, insgesamt drei Runden und notiert, welche Eigenschaft passt und welche stört.

Der feine Schlanke (Seehof) hat mit seiner Fruchtigkeit geglänzt. Für mich war er etwas zu schlank, schwachbrüstig für das Essen aber Frau R. fand ihn am Passendsten.

Die Cremschnitte (Weinreich) fiel komplett durch, die Cremigkeit war störend und es setzte sich im Nachhall auch eine unangenehme Bitterkeit im Gaumen fest.

Der RR vom Keller bestach durch Fruchtigkeit und Weichheit, auch die Restsüsse harmoniert perfekt mit dem Essen. Mein Favorit.

Die floralen Aromen der Albalonga Spätlese (Göhring) waren störend, auch die Süsse war zu heftig. Beim Nachtisch durfte er trotzdem noch mal antreten (siehe unten)

Beim Schwarzriesling (Weinreich) konnte wieder die saftige Fruchtigkeit überzeugen. Leider haben die holzigen Aromen nicht zum Essen gepasst.

Am Schluss noch das würzige Holz (Ambata). Hier war auch wieder deutlich zu schmecken, dass das Holzaroma überhaupt nicht zum Essen passte. Bei der Würzigkeit hat sich mir aber wieder so ein leichter Nusston eingeschlichen, der recht interessant war und mir nicht zum ersten mal im Mund erschienen ist. Trotzdem wäre der Wein keine gute Empfehlung als Begleitung.

Empfehlen können wir also einen fruchtbetonten Wein, der kann eine leichte Restsüsse haben, die darf aber nicht zu hoch sein. Es sollte kein Holz dabei sein, auch eine cremige Note (malolaktische Gärung) stört. Eventuell kann auch eine hohe Mineralität, die manchmal mit Bitternoten einhergeht, störend wirken.

In unserer Verkostung waren das sowohl der trockene, schlanke, fruchtige, als auch der fruchtige, weiche, restsüsse Riesling:

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Da der Albalonga schon mal offen war und ich von Janine Brüssel ein Probierstück ihres mit Rotweinhefe veredeltem und im Weinkeller ausgereiften Rohmilchhartkäse zugeschickt bekommen habe, gab es als Nachtisch ein paar Brocken von dem Käse mit dem Albalonga und siehe da, es war schön. Beide haben gut miteinander harmoniert. Der Wein hätte noch ein wenig mehr Komplexität und auch ein paar Alterungsaromen haben können, aber für einen angenehmen Begleiter zum Tatort hat es mit dem Käse allemal gereicht.

Für alle, die das nachstellen wollen und evtl. noch anderes probieren, empfohlen wurden im Detail folgende Weine:

Feinherber Riesling Kabinett
Halbtrockener Riesling
leicht gekühlter Beaujolais
weißer Rioja mit wenig Holz
Vino de Aguja Rosado
Grenache gris/blanc
Viognier

Und das Rezept findet sich hier:

http://smamunir.tumblr.com/post/50752612206/shrimpandchorizo

© Max Bareis 2013