Tour de Wonnegau (Etappe 1)

Mein Thema des Jahres ist das Wonnegau. Ich habe im letzten Jahr dort reichlich eingekauft und möchte sie in diesem Jahr alle miteinander vergleichen. Am Samstag kamen dafür die ersten 3 Kandidaten auf den Tisch:

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Und weil vergleichen alleine nur halb so viel Spass macht, habe ich mir noch Verstärkung von vier Wein-"Laien" geholt. Die Herren T. und C. sowie Frau L. und Frau R. Herr T. von Beruf Koch hatte einen schweren Stand, der Freitagabend war erst am Samstagmorgen zu Ende und dementsprechend karg waren seine Unterscheidungen. Frau R. begnügte sich damit, nur ein Weinpaar zu vergleichen, um zu entscheiden, welches der passende Wein für die nachfolgenden Speisen sein sollte. Am Ende hat sie aber doch den dritten Wein genommen, weil er über eben die Eigenschaften verfügte, die sie brauchte nach einem langen kalten Tag in schlecht beheizten Räumen, nämlich den Chardonnay.

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Die Weine wurden zwar nicht gleichzeitig von allen verkostet (wir hatten 9 Gläser, die reihum gereicht wurden), ich werde die Ergebnisse hier der Einfachheit halber aber trotzdem paarweise vorstellen. Beginnen möchte ich mit dem Vergleich zwischen dem 2011 Riesling trocken vom Weingut Keller aus Flörsheim-Dalsheim, das ist deren Basiswein und dem Weißen Burgunder vom Weingut Wittmann in Westhofen. Dem Keller wurde zugesagt er sei saurer(4), fruchtiger(4), prickelnder(1), frischer(1), mineralischer(1), adstringierender(1) und feiner(1). Der Wittmann konnte hingegen in den Kategorien erdiger(2), blumiger(1), vollmundiger(1), weicher(1) und süßer(1) punkten. Da die Verkoster zur gleichen Zeit immer mit unterschiedlichen Paaren zugange waren und deshalb sich nur wenig beeinflussen konnten, ist es erstaunlich, dass es bei diesem Vergleich nur einen Ausreißer gab (Wittmann wurde auf einem Zettel als fruchtiger eingestuft, alle vier anderen hatten den Keller als fruchtiger bezeichnet).

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Kommen wir zu dem Vergleich zwischen dem 2011er Chardonnay vom Weingut Weinreich in Bechtheim und dem Keller Riesling. Der Chardonnay unterscheidet sich vom Keller dadurch, dass er als süßer(2), weicher(2),  buttriger(1), erdiger(1) und cremiger(1) eingeschätzt wurde. Dem gegenüber wurde der Keller als saurer(3), fruchtiger(2), blumiger(1), prickelnder(1), feinperliger(1), mineralischer(1) und feiner(1) bezeichnet.

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Zum Schluss noch die Paarung Weinreich gegen Wittmann. Der Wittmann konnte damit aufwarten, dass er saurer(3), fruchtiger(3), sanfter(1), blumiger(1) und frischer(1) wirkte, während der Chardonnay vom Weinreich als muffiger(2), weicher(2), bitterer (1), cremiger(1), und als nichtssagender(1) empfunden wurde. Wie Ihr sicherlich schon bemerkt habt, redigiere ich die Kriterien nicht, auch wenn sie mir nichts sagen…

Fazit:

Der Grundstein ist gelegt. Nach meiner Einschätzung auch sehr erfolgreich. Von den fünf Verkostern haben drei noch nie in ihrem Leben eine Verkostung mit Notizen oder ähnlichem gemacht. Trotzdem waren sie in der Lage, nach 5 Minuten Einweisung ohne Vorgabe von Kriterien, selbständig welche zu finden und die Weine zu vergleichen. Besonders spannend finde ich die Häufung mancher Unterschiede. Bei Geschmack oder Geruch von "objektiv" zu reden ist sinnlos, aber dem gleichen Zweck, nämlich eine Gesprächsgrundlage zu haben, dient auch das Wort Mehrheitsfähigkeit. Und diese Vergleiche haben mehrheitsfähige Unterschiede aufgezeigt.

Und jeder hatte den passenden Wein für die nachfolgende Verkostung von spanischen Edel-Konserven. Frau L., Herr T. und Herr C. hielten sich an den Weißen Burgunder, Frau R hatte besagten Chardonnay und ich süffelte den Keller.

Bei der Verkostung wurde übrigens auch spanischer Dosenspargel mit deutschem Dosenspargel verglichen. Wer den noch nicht kennt, der hat was verpasst. Der spanische hat tatsächlich Geschmack und ist deutlich dicker und trotzdem zarter als die billigen, lapprigen und faden deutschen Winz-Stangen.

© Max Bareis 2013