Punkte sind Müll

Wer kennt sie nicht, die ominösen 89 Punkte die Riesling XY bekommen hat und die tatsächlich mehr sind als die 88 vom Nachbarn. Ist der Wein jetzt besser? Und was noch viel wichtiger ist, schmeckt er mir besser? Ist es ein Wein fürs Kaminfeuer, fürs Bœuf bourguignon, die Spaghetti mit Tomatensosse oder zum Brahms Klavierkonzert? Putscht er mich auf oder soll er mich beruhigen? Kann ich viel davon trinken, oder krieg ich gleich Sodbrennen? Alles das können mir die Punkte nicht sagen. Selbst wenn ich die lange Leidenszeit der Fehleinkäufe nach Parkerpunkten überwunden habe und feststelle, dass sich die Bewertungen auf WeinPlus stärker mit meinen decken, wüsste ich immer noch nicht was mir die Punkte genau sagen wollen.

Dass die Punktewertungen es trotzdem zum internationalen Standard gebracht haben, mag auf den ersten Blick verwundern ist aber meines Erachtens der Tatsache geschuldet, dass es für die monetäre Bewertung eines Weines bisher keine Alternativen gibt. Denn eins wollen mir Punkte dann doch sagen: Verkoster X ist der Meinung der Wein Y dürfe zwischen a und b Euro kosten.

Und der Rest, wie finde ich den raus? Diese Frage beschäftigt mich, seit ich das erste Mal mit Frau W. und Herrn N. zu Jürgen Hammers Weinseminar in die Körtestr. gegangen bin, was jetzt auch schon über drei Jahre her ist. Oder waren‘s vier?

Antworten gab es bisher viele, nur hat sich noch keine durchsetzen können. Derzeit am stärksten von mir favorisiert ist der direkte Vergleich. Nur über den direkten Vergleich bin ich in der Lage, die Unterschiede von Weinen herauszuarbeiten. Und nur über die gesammelten Unterschiede lässt sich annähernd vorhersagen, ob ein Wein besser zu einer bestimmten Situation oder zu einem bestimmten Essen passt, als ein Anderer. Dazu mehr im nächsten Artikel

Noch was zum Schluss: Zu welcher Situation wird wohl der Wein passen, der von dem Verkoster im Titelbild als am Besten eingestuft wurde?

© Max Bareis 2013