"Niemand riecht so gut wie Du"

Maigloeckchen

Bild: aus dem Blog Luenentraum

So lautet der Titel eines im Piper Verlag erschienenen Buches von Hanns Hatt und Regine Dee. Das Buch wurde mir von Felix vom Schnutentunker-Blog empfohlen, damit ich mein Datenbankprojekt aufgebe und statt dessen… Tja.

Ich gehe mal stark davon aus, dass Felix nicht die Vergleichsdatenbank, sondern die Datenbank der gemessenen Konzentrationen geruchsaktiver Stoffe meint. Das Projekt ist eh nur ein Projektvorschlag und die eingegangenen Reaktionen dazu waren gelinde gesagt dürftig. Naja, sie tendierten gegen Null. Ach was solls: Keiner hat Interesse angemeldet! Also wird es diese Datenbank auch erstmal nicht geben. Das Angebot bleibt aber bestehen, wenn Ihr einen Chemiker kennt, der sich mit Weinaromen beschäftigt und einen Informatiker sucht, weiterleiten.

Wenn Felix doch die Vergleichsdatenbank meinte, dann hat das Buch eine gegenteilige Reaktion erzeugt. Warum sage ich am Schluss, erst einmal erzähle ich etwas über das Buch.

Was will das Buch?

Das Buch will wissenschaftliche Erkenntnisse unterhaltsam und nachvollziehbar an interessierte Laien vermitteln.

Wie macht es das?

Die Untersuchungen und Forschungsergebnisse werden mit vielen Beispielen garniert und auf alltägliche Situationen bezogen. Dadurch wirkt es nie trocken.

Erreicht es sein Ziel?

Ja, durchaus. Es ist tatsächlich unterhaltsam und interessant und eignet sich prima dazu, für die nächste Party ein paar "Wusstest Du schon, dass" vorzubereiten. Zum Beispiel: "Wusstest Du schon, dass Stripperinnen während des Eisprungs doppelt so viel Geld verdienen als an normalen Tagen?".

Was war am interessantesten?

Das Kapitel über Hormone als Herzensbrecher. Hat einiges in meiner Vergangenheit verständlicher gemacht. Und die Erklärung nebst belegendem Bild für den Zickzacklaufweg eines Hundes auf Fasanenjagd. Wenn der Hund der Spur geradeaus folgen würde, dann wäre seine Nase nach kurzer Zeit für den Duft blockiert. Das kenn ich sehr gut von Weinverkostungen. Also, immer wieder Pausen machen!

Was hat enttäuscht?

Das Kapitel über Wein. Lediglich acht Seiten fassen den derzeitigen Stand mehr oder weniger ausreichend zusammen, aber außer ein bisschen Belustigung über Genußtrinker die zu Duftakrobaten werden, findet keine wirkliche Beschäftigung mit dem Thema statt.

Fazit

Ein Buch, das sich gut lesen lässt und zum Nachdenken anregt und für jeden, der sich mit Düften und Aromen und Kochen und allem drumherum beschäftigt ein absolutes Muß! Das gilt auch für jeden, der verstehen will, warum man manche Menschen nicht mehr riechen kann.

Das Buch ist in jedem Buchladen erhältlich. Einfach reingehen, bestellen und nach ein paar Tagen kann es dann abgeholt werden. So kommt man wenigstens noch mal vor die Tür. Wer das auf keinen Fall will, kann es auch im Internet bestellen. Entweder über Zwischenhändler oder direkt beim Verlag.

Und warum hat mich dieses Buch darin bestärkt die Weinvergleichsdatenbank weiterzubauen?

Ganz einfach. Auch in diesem Buch steht, dass jeder Mensch unterschiedlich riecht. Sowohl an sich, als auch mit der Nase. Und wenn wir jemals wirklich über Düfte und Aromen im Wein reden wollen, dann kann es nur über den Vergleich funktionieren. Die Autoren bringen auch ein Beispiel dreier Sommelieres, die gemeinsam einen 1966er Château Haut-Brion verkosten. Der erste sagt "Steinobst und Rosinen, begleitet von Zedernholztönen sowie unterschiedlichen Gewürzaromen", sein Nachbar "Pflaume, flankiert von dezenten Röstaromen und leicht animalischen Tönen", während der dritte auch noch Pfeifentabak findet. Damit die drei sich nicht in die Haare kriegen, einigen sie sich auf die Formulierung: "wirklich großer Wein, harmonisch in seiner Komplexität und elegant in der Vielfalt seiner Aromen". Was soll das? Was will mit der Vereinfachung erreicht werden? Den Satz kann ich mir sehr gut in der Werbung für einen Galliwein vorstellen. Das ist eine reine Werbeaussage, die mit nichts verglichen werden kann.

Warum akzeptieren sie nicht ihre unterschiedliche Wahrnehmung und sagen der Wein kann so und so riechen. Oder noch viel besser, der Wein riecht stärker nach Pflaume als der Latour von '66. Und wenn ich den Latour kenne, dann weiss ich auch ungefähr, dass mit "Pflaume", "Steinobst und Rosinen" gemeint ist.

Dabei ist die unterschiedliche Wahrnehmung der Aromen kein Ausrutscher, sondern die Regel. Während der Eine Pfirsich riecht, mag der Andere Banane und Ananas finden. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, ob das auch konstant so ist und ob die unterschiedliche Wahrnehmung einer vorhersehbaren, aus dem Geschmacksprofil ableitbaren Regel folgt.

© Max Bareis 2013