Der Weinvergleich

Menschen zu vergleichen mag tatsächlich zu Unzufriedenheit führen, wenn ich aber einschätzen möchte, ob ein Wein am Besten zu einer bestimmten Situation passt, dann ist es unabdingbar, diesen Wein mit Anderen verglichen zu haben und zu wissen, welche Kriterien in der Situation erwünscht sind.

Stellt Euch vor, Ihr kommt von einem langen, anstrengenden Tag zum Weinhändler Eures Vertrauens und wollt für den Abend ein Fläschchen Wein erstehen. Wenn der Händler gut ist, wovon ich jetzt mal ausgehe, sonst hätte er nicht Euer Vertrauen, dann fragt er als Erstes, wozu Ihr den Wein trinken wollt. Ob er zum Essen oder zum Füsse hochlegen passen, etwas Neues sein oder Euch Aufputschen soll.

Manche dieser Situationen müßten noch weiter hinterfragt werden, z.B. das Essen, andere ergeben sofort Kriterien für die Auswahl. Wenn ein Wein eine starke Säureausprägung hat, d.h. die Säure steht geschmacklich im Vordergrund, dann wird er im Allgemeinen auch als leicht, frisch und eben aufputschend empfunden. Ganz besonders dann, wenn der Wein noch feinste kleine Blubberbläschen hat.

Wie kann ich jetzt wissen, ob der eine Wein besser geeignet ist, als der Andere? Nehm ich den Löhrer Berg vom Tesch oder den Bürgel vom Göhring? Vielleicht doch lieber einen Chenin Blanc Crémant aus dem Vouvray von der Domaine de la Rouletière-Gilet?

Ich kann es nicht hundertprozentig wissen, weil die Weine nie Kopf an Kopf gegeneinander angetreten sind und deshalb niemand weiss, wer von den Dreien am Frischesten und Aufputschendsten ist, zum Anderen kann ich nur schwer sagen, was bei mir frisch und Aufputschend wirkt.

Der gute Weinhändler erzählt dann etwas über die feinen Blubberbläschen und sagt vermutlich der Tesch wäre spritziger als der Göhring, da dessen Weine im Allgemeinen als spritzig und knochentrocken beschrieben wurden. Und der Käufer kauft den Wein und trinkt ihn und so ganz falsch war das sicher nicht, also sind beide Seiten zufrieden und ich kann jetzt aufhören zu schreiben, alles ist ja gut.

Kann ich aber leider nicht, denn die Weine, die ich vom Händler bekomme, sind nicht immer das, was mir versprochen wurde. Viele Händler verlassen sich auf die Beschreibungen der Winzer oder aus renommierten Publikationen, oder sogar auf Punkte (Wer es verpasst hat: warum Punkte Müll sind kann hier nachgelesen werden).

Was fehlt, ist eine Datenbank der Weinvergleiche für den Weinhändler und der Situationskriterien für mich, den Weintrinker. Im Idealfall sollte sie alle Vergleiche aller Weine auf der ganzen Welt beinhalten und in Zeiten, in denen fast das gesamte Wissen in ein großes Wiki gepackt werden kann, sollte es doch auch möglich sein, das für den Wein hinzukriegen.

Welche Vorteile hat der Weinvergleich gegenüber der herkömmlichen Verkostung?

Es ist für die Beurteilung, ob ein Wein spritziger wirkt, als ein zeitgleich getrunkener unerheblich in welcher Situation ich mich gerade befinde. Was ich vorher oder hinterher gegessen und getrunken habe ist größtenteils nicht von Bedeutung. Die Ausnahme ist hier, dass nach einer vorher nicht bestimmbaren Anzahl von Vergleichen die Rezeptoren eine Zeit lang blockieren und ich keine Unterschiede mehr riechen/schmecken kann. In dieser Zeit können dann eben keine Vergleiche durchgeführt werden.

Als Beispiel mag die im Artikel Die Weinverkostung beschriebene Situation herhalten, als ich nach einer ausgedehnten Rotweinverkostung noch Weißweine probiert habe. Sie haben zwar alle nach Tannin geschmeckt, aber sie haben alle gleich nach Tannin geschmeckt. D.h. im direkten Vergleich hat kein Wein stärker nach Tannin geschmeckt. Wenn jedoch ein Wein mehr Tannine gehabt hätte, dann hätte er auch stärker nach Tannin geschmeckt und auch diese Aussage wäre, bezogen auf die Anderen Weine, wahr.

Hätte ich eine Einzelverkostung durchgeführt, ich wäre nicht in der Lage gewesen, völlig auszuschliessen, dass der Wein eine spürbare Menge an Tanninen hat.

Das Beispiel kann mit allen anderen Kriterien durchgespielt werden, immer bleibt die Tatsache, dass der Vergleich situationsunabhängig ist. Wie man es aber fertigbringt, aus vielen Vergleichen eine Bewertung herzustellen, das verrate ich im nächsten Beitrag.

Im Übrigen suche ich noch Mitstreiter, die Zeit und Lust haben, am Aufbau der oben beschriebenen Datenbank mitzuarbeiten. Insbesondere Webdesigner, WebGUI-, MacOS und Smalltalk-Entwickler. Bitte unter info@derVerkoster.de melden.

© Max Bareis 2013