Bordeaux unter 25 Euro - geht das gut?

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Stell einmal die Frage "Riesling unter 25 Euro - geht das?" und du wirst sicher als versnobter Möchtegern eingeschätzt. Bei Bordeaux erscheint die Frage aber berechtigt und deshalb hat es in der Berliner Weingruppe auch niemanden verwundert, als Micha Wickert dieselbe in die Runde warf und vorschlug, dazu einen Weinvergleich zu veranstalten. Jeder bringt einen Bordeaux mit, der im Laden nicht mehr als 25 Euro kosten darf und wir verkosten die dann blind gegeneinander.

Ich hab mich als Veranstalter angeboten und ein Termin wurde auch schnell gefunden. Das Ganze konnte sogar an einem Wochenende stattfinden, sowas bei sechs Leuten in der Kürze zu treffen, ist heutzutage ein kleines Wunder. Eigentlich sollten es ja sieben sein, aber Micha Wickert, der Initiator hat kurz vorher absagen müssen.

Felix Bodmann verkündete im Vorfeld schon mal vollmundig den Sieger, was die Anderen dazu veranlasste, sich etwas genauer umzuschauen. Und auch mehr als einen Wein mitzubringen, weshalb wir zu sechst 13 Flaschen durchprobieren mussten. Da hatte ich die nächsten Tage noch meinen Spass damit, ganz besonders auch deshalb, weil Michael Jetter noch zwei richtig schmackhafte weiße Bordeaux ausserhalb der Konkurrenz mitgebracht hatte.

Verkostet wurden (in dieser Reihenfolge):

Château du Retout 2010 - Haut Médoc Cru Bourgeois
Château Saintayme 2009 - St. Emilion Grand Cru
Château Cap de Faugères 2003 - AOC Côtes de Castillion
Château Loyasson 2010 - AOC Bordeaux
Château Val Beylie 2005 - Bordeaux Supérieur
Château de Cerons Grand Enclos 2005 - AOC Graves
Edition Curator Claret 2005 - Jakob Pfleger Pfalz
Seigneurs d'Aiguilhe 2009 - AOC Côtes de Castillion
Château Clauzet 2005 - St. Estèphe Cru Bourgeois
Château la Couronne 2007 - St. Emilion Grand Cru
Château Fleur de Rozes 2009 - AOC Pomerol
Rollan de By 2003 - Médoc Cru Bourgeois
Château Mondorion 2009 - St. Emilion Grand Cru

Es waren zwar Weine aus unterschiedlichen Ligen aber rechtes und linkes Ufer sind in etwa gleich vertreten. Ein Pirat war auch dabei und tata! wir haben es gemerkt. Der Loyasson hat gezeigt, dass er ein 5 Euro Bordeaux ist, aber ansonsten war der Preis der Weine nicht unbedingt ausschlaggebend für die Platzierung. Der Rollan de By entsprach nicht wirklich den Regeln. Er hat zwar 16 Euro in der Subskription gekostet, liegt heute aber bei geschätzten 38 Euro.

Uns hätte das nicht gestört, wenn wir nicht das Pech gehabt hätten, dass die Flasche nicht gut war. Felix versicherte uns, am Tag zuvor eine Probeflasche aufgemacht zu haben und die sei großartig gewesen. Das konnte man von dieser Flasche leider nicht sagen.

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Einhellig am Besten hat uns der Château Clauzet 2005 gefallen. Dahinter auf dem geteilten zweiten Platz Saintayme 2009 und Château Fleur de Rozes 2009. Den undankbaren vierten Platz hat sich mit einem Punkt Rückstand noch der Château de Cerons Grand Enclos 2005 geschnappt. Da wir jeweils nur unsere besten 5 Weine angegeben haben und die vier die Einzigen waren, die bei fast allen auftauchten sind die weiteren Platzierungen nicht aussagekräftig genug, um sie zu veröffentlichen.

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Fazit

Es gibt guten Bordeaux unter 25 Euro. Mehr als 10 Euro sollte man aber schon hinlegen. Leider ist der Preis keine Garantie, wie ich gestern wieder leidlich festellen musste, als ich eine Probeflasche bei einem großen Weinhändler für 18 Euro erstanden habe. Aufgezogen und ruhen lassen. Frau R meinte, dafür würde sie keine 5 Euro bezahlen.

Was also machen? Entweder ganz viel probieren oder einen Weinhändler/-kritiker finden, der den eigenen Geschmack teilt. Unbedingt auf den Jahrgang achten.

Dank an Felix Bodmann, Frank Seiffarth, Gerrit, Michael Jetter, Robert Hoefer. Ihr wart tolle Gäste! Und auch Dank an Micha Wickert für die Idee.

Ach ja und zur Stärkung gab es dann la garbure, einen typischen Bohneneintopf aus der Gascogne. Die weißen Bordeaux haben richtig gut dazu gepasst, die roten konnten aber auch dazu getrunken werden.

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© Max Bareis 2013