Badischer Lemberger und trockener Gewürztraminer

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Bild: Logo der Weinhandlung Suff

Am Samstag war es mal wieder voll um den Stand der Weinhandlung Suff in der Markthalle IX. Anlass war der Besuch zweier befreundeter Winzer aus dem Badischen, genauer aus dem Breisgau. Martin Frey vom Weingut Frey aus Denzlingen und Odin Bauer vom Weingut Zalwander aus Köndringen.

Während das Weingut Frey seine Erzeugnisse im normalen Fachhandelpreissegment zwischen 6 und 12 Euro ansiedelt, sind die Weine von Zalwander mit 11 bis 16 Euro für die "einfachen" und 32 Euro für den gehobenen eher im mittleren bis gehobenen Preissegment zu finden. 

Vor allem über das Weingut Zalwander (alemannisch für zu zweit) wurde schon einiges sowohl in den etablierten Medien (Gault Millau etc.) aber auch in der deutschen Weinblogszene geschrieben, seit sich Elmar Lehmann und Odin Bauer um die Belange des Weingutes kümmern. Bei Captain Cork schrieb Felix Eschenauer einen Beitrag, Drunkenmonday hat gleich 3 Einträge über das Weingut und dessen Weine. Das Weingut Frey wird in den etablierten Veröffentlichungen erwähnt (Gault Millau, Eichelmann, Merian), für die Blogszene sind die Weine vermutlich nicht spektakulär oder ausgefallen genug.

Und so präsentieren sich auch ihre Weine. Auf der einen Seite gutes, solides Handwerk (Frey) auf der anderen Seite Experimentierfreude und Wagemut. Das kann nach hinten losgehen, hat es im Fall von Zalwander aber nicht getan. Mit gutem, solidem Handwerk meine ich übrigens nicht die klassische Breisgauer Weinbereitungskultur, die sich größtenteils noch an den 70er und 80er Jahren orientiert, sondern modernen Weinbau, wie er seit Mitte der 90er Jahre immer öfter in Deutschland praktiziert wird.

Zum Glück konnte ich mich zum Vergleichen in die benachbarte Tapasbar von meiner lieben Rosa zurückziehen, da hatte ich genug Platz für die Gläser und konnte zwischendurch noch ein paar Kleinigkeiten essen.

Als ersten Vergleich picke ich mir den Grauburgunder Gneis 2011 von Frey und den Zalwander Grauburgunder 2011 heraus. Auffallend hier ist das fruchtigere Bukett des Gneis gegen das gärigere, apfeligere des Zalwander. Im Mund präsentiert sich der Gneis mineralischer, während der Zalwander adstringierender ist. Die gärigen Noten des Zalwander sind wohl auf die Spontanvergärung zurückzuführen. Mir persönlich gefällt im jetzigen Zustand der Grauburgunder Gneis vom Frey besser.

Danach lasse ich den Grauburgunder Gneis im Glas und hole mir noch den Weißburgunder Gneis 2011 im anderen Glas dazu (beides Weingut Frey). Die Unterschiede der Weine sind nur gering, aber der Weißburgunder präsentiert sich ein wenig spritziger, während der Grauburgunder sich mehr auf der fruchtigen Seite tummelt. Im Weißburgunder steckt auch mehr Säure und der Gneis scheint sich hier noch stärker mit seinen Mineralien verewigt zu haben. Dafür wirkt der Grauburgunder cremiger und wärmer.

Im Vergleich zum Grauburgunder Gneis fällt dann beim Gewürztraminer Gneis 2011 erwartungsgemäß die Rosennase auf. Außerdem ist der Traminer auch mineralischer und wirkt insgesamt schlanker. Der Grauburgunder dagegen hat eine fruchtigere, spritzigere Nase ist auch im Mund saurer und körperreicher/voller. Wenn man mir den Gewürztraminer vor ein paar Jahren vorgesetzt hätte und mich gefragt ob ich lieber ihn oder den Grauburgunder trinken wolle, ich hätte mich sofort dafür entschieden. Trocken ausgebaut und trotzdem so blumig, das hätte mich begeistert. Am Samstag war mir aber der Grauburgunder lieber. Vielleicht liegts ja am Wetter.

Bei den Rotweinen beginne ich mit dem Vergleich Spätburgunder "Alte Reben" 2010 von Frey gegen Zalwander Spätburgunder 2008. Hier fällt vor allem die holzige Nase der Alten Reben gegen die deutliche saftige Frucht des Zalwander auf. Auch ist der Frey adstringierender während im Zalwander mehr Säure zu spüren ist. Mir gefällt der Zalwander besser, was direkt darauf zurückzuführen ist, dass er sich jetzt seinem Höhepunkt nähert, während die Alten Reben doch noch eine Weile brauchen, um die Holzaromen einzuarbeiten.

Weiter geht es mit dem Vergleich der beiden Zalwander Spätburgunder, dem 2008er und der "Harte Erde" von 2009. Wiederum steht der fruchtigeren Nase des 2008er die deutlich holzige Note der Harten Erde gegenüber. Die Harte Erde zeigt sich auch körperreicher und saurer und wird sich in den nächsten Jahren sicherlich noch deutlich entwickeln, während wie schon beim vorigen Vergleich der Spätburgunder 2008 mir sagt: "Trink mich jetzt!". Odin Bauer gibt auch dem 2008er noch ein paar Jahre, wir werden sehen…

Im letzten Vergleich habe ich mir dann noch den Lemberger 2008 gegen den Spätburgunder 2008 geholt. Auf der einen Seite eine deutliche Pfeffernote im Lemberger und wiederum die Frucht im Spätburgunder, der darüber hinaus auch noch mehr Säure aufweist, während der Lemberger adstringierender wirkt. Offensichtlich möchte ich an dem Tag warme, saftige Wein trinken, denn der Spätburgunder trifft mich auch hier. Der Lemberger will auch noch eine Weile liegen, passt aber jetzt schon gut zu einem kräftigen Essen.

Und was zeigen die Vergleiche? Lemberger geht auch im Badischen und zwar besser als die meisten Württemberger. Und Gewürztraminer kann auch feine Rose ohne gleich ölig oder zuckrig zu sein. Insgesamt schöne, gelungene, empfehlenswerte Weine. Mehr zum "Harte Erde" gibts auch im nächsten Beitrag, wenn er gegen den Cru de Bois vom Weingut Karl Johner antritt.

© Max Bareis 2013