Aprikose-47 schmeckt heut nicht

617px-Apricots_one_open

© MatthiasKabel Quelle: Wikipedia 

Also selbst wenn Aprikose quantifizierbar wäre und Du am Samstag nach dem Spaziergang einen Aprikose-47 Riesling total toll fandest, kann das nächsten Samstag schon ganz anders sein. Außerdem mag es sein, dass Aprikose-47 gar nicht für Dein Glücksgefühl verantwortlich war, sondern dieser kleine Hauch Erdbeere (nur Stärke 7). Es war aber Deine letzte Flasche. Was ist dann nächsten Samstag there Richtige Wein: Aprikose-49 mit Erdbeere-6 oder lieber Grapefruit-26 mit Erdbeere-7? Ich glaube, da kommt man auf keinen grünen Zweig.

Felix, Du hast Recht. Der Algorithmus zur Berechnung meiner Vorlieben darf sich natürlich nicht auf singuläre Ereignisse oder Kriterienwerte verlassen. Er sollte in der Lage sein, die über einen gewissen Zeitraum gesammelten Informationen auszuwerten und die größtmögliche Ähnlichkeit zum ausgetrunkenen Wein zu finden.

In Deinem Beispiel wäre das sowohl als auch, falls ich vorher nicht Grapefruit-dominierte Weine als frisch und frisch als für nach-dem-winter-spaziergang-ungeeignet gekennzeichnet hätte. Ich denke aber nicht, dass es die Diskussion vorantreibt, wenn wir hier an dem Beispiel weiterargumentieren. Ich möchte nur zeigen, dass es immer einen Weg gibt, nützliche Schlüsse zu ziehen, sofern ich quantifizierbare und vergleichbare Daten habe.

Dein Beispiel geht an der eigentlichen Fragestellung vorbei. Wenn ich mich zwischen zwei Weinen entscheiden soll, welche Informationen brauche ich dann? Muss ich wissen wie Verkoster 1 Wein 1 und Verkoster 2 Wein 2 gefunden hat? Oder muss ich wissen, wie Wein 1 von Verkoster 1 mit Wein 3,4,5 verglichen wurde und Wein 2 von Verkoster 2 mit Wein 3,4,5?

Das funktioniert ganz sicher nicht mit kleinen Datenmengen. Aber im Gegensatz zu den Solo-Verkostungen, bei denen eine größere Datenmenge auch eine größere Diversifikation und damit einhergehend auch eine größere Unschärfe erzeugt, bedeutet beim Vergleich eine größere Datenmenge eine größere Genauigkeit.

Im unterhaltsamen und gut geschriebenen Blog blindtastingclub.net gab es im Dezember einen Beitrag über Tatort und Blutwurst. Die Verkostungsnotizen sind wunderbar kurz, prägnant und auch für sich lesbar und verständlich. Abgesehen davon, dass ich total neidisch wurde, nicht dabei gewesen zu sein, will ich auch nichts Schlechtes über den Beitrag sagen. Ich möchte ihn nur benutzen um das Dilemma der starren Form, dass Felix im ersten Kommentar zu meinem Beitrag angesprochen hat, noch ein wenig zu erweitern.

Als Neuling bräuchte ich für den Blog und die VKN ein Glossar. Und selbst mit dem Glossar wäre es mir nicht möglich die Unterschiede der vorgestellten Weine zu erkennen. Woran liegt das?

Ich vermute mal, dass es nicht das Ziel des Blogs ist, die Weine zu bewerten und untereinander zu vergleichen, und deshalb findet sich außer der Spontinase und dem trinkigen Wein kein doppeltes Kriterium in den VKN. Das macht es mir aber unmöglich, die Unterschiedlichkeit der Weine zu erkennen. Am Ende steht zwar, der Gewinner war Kühling-Gillot, aber warum, steht nicht da und ist mangels Vergleichbarkeit der VKN auch nicht nachvollziehbar.

Anders wäre es, wenn die Unterschiedlichkeit der Weine dargestellt würde. Dann fehlt mir zwar der Bezug zu allen anderen Weinen auf der Welt, ich könnte aber, wenn ich einen von den Weinen kennen würde und über diesen wiederum andere, diesen Bezug herstellen.

Soweit die Idee. An der Umsetzung muss ich noch arbeiten und deshalb hier nochmal der Aufruf an alle vinophilen Webdesigner und -entwickler. Wer grad kein Projekt hat und mitmachen möchte: einfach eine email an info@derVerkoster.de schicken.

© Max Bareis 2013