Alles eine Frage der Perspektive

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Linalool Quelle: Wikipedia

Die kleine Besprechung meines Blogs von Felix im Schnutentunker-Blog hat mich gestern richtig glücklich gemacht. Danke dafür. Und es ist mir sogar lieber, wenn der Kommentar eines Bloggers in seinen Beiträgen und nicht nur auf Facebook oder anderen Kommentarsites abgeben wird. Dadurch kriegen wir hoffentlich eine fundiertere Diskussion hin. Trotzdem habe ich gestern meinen Blog umgestellt, um die Kommentarfunktion zu ermöglichen und ein bisschen mehr social media zu integrieren.

So viel vorweg, kommen wir zum inhaltlichen. Das Thema hat schnutentunker ja schon vorgegeben, es geht um die Aromen in Weinbeschreibungen und ihre Nutzbarkeit für den Weintrinker.

In seinem Beitrag zum neuen Jahr schreibt er: "doch gerade der Riesling ist zum Beispiel ein Wein, den man gut über ein paar Schlüssel-Aromen klassifizieren kann". Das stimmt. Wie Felix schreibt, kann ich Banane riechen und weiß, der Riesling ist jung. Und ich kann da auch einen direkten Nutzen draus ziehen, entweder indem ich sage, so jungen Wein trinke ich nicht, ich lass die anderen Flaschen noch ne Weile liegen, oder genau andersrum. Das geht auch als Verkostungsleser.

Eine andere Möglichkeit mit Aromen im Wein sinnvoll zu arbeiten sei es, den Riesling über die Aromen einer sinnlichen Kategorie (mollig/streng) zuzuordnen wie reifer Pfirsich oder die Dörraprikose für den molligen und Aloe Verae und Aprikose für den blumig-strengen Wein.

Damit kann ich sicherlich eine Tendenz für den Wein festlegen und ich kann sogar Weine unterscheiden, sofern sie gegensätzliche Tendenzen aufweisen. Aber ich kann nicht quantifizieren.

Und genau um diese Quantifizierung geht es beim Weinvergleich. Ich möchte wissen, welcher Wein passt besser zu einer bestimmten Situation (Sofa nach einem langen Winterspaziergang)

Wenn ich z.B. mit dem obigen Wissen nach besagtem Spaziergang einen molligen Wein möchte und bei Verkostungsnotizen.net nach Rieslingen mit Pfirsicharoma suche, dann bekomme ich 46 Einträge (Stand 02.01.2013 20:00). Und ich weiß auch, dass ich ein starkes Pfirsicharoma bevorzuge. Welchen von den 46 Weinen soll ich dann nehmen? Ich kann mir jede einzelne Notiz durchlesen und bin eingeschlafen, bevor ich den Wein gefunden habe.

Aber vielleicht haben wir hier ja auch gar kein Dilemma. Vielleicht liegt es einfach nur an der unterschiedlichen Perspektive? Wenn ich mich mit dem Wein in eine hermetische Blase begebe und sage, so jetzt schauen wir mal, wer Du bist, was Du kannst und wie Du auf mich wirkst, dann bekomme ich eine mehr oder weniger genaue Beschreibung des Weines inklusive möglicher Kategorien. Und ein Anderer kann die Beschreibung lesen und stellt sich dann hoffentlich was Ähnliches vor.

Wenn ich aber aus dem Anwendungsfall komme, soll heissen, ich suche einen Wein für Situation xy, ist es unglaublich mühsam und mangels Vergleichbarkeit meistens gar nicht möglich, über Solo-Verkostungen den passenden Wein zu finden.

Und da stellt sich mir natürlich die Frage, wie werden die Verkostungen eigentlich gelesen? Wer trifft anhand einer Verkostungsnotiz in einem Weinblog eine Kaufentscheidung?

© Max Bareis 2013